Wildpflanzen, die an ihrem natürlichen Standort wachsen, sind ursprünglich, echt, intensiv im Geschmack und strotzen vor Vitalität.
Diese Attribute fehlen unseren hochgezüchteten Kulturgemüsen und Getreiden oft gänzlich.
Die durchwegs sehr hohen Werte an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie sekundären Pflanzeninhaltsstoffen machen Wildpflanzen zu einem „natürlichen Stärkungsmittel“.
Selbstverständlich ist eine Pflanze aber viel mehr als die Summe ihrer analysierbaren Inhaltsstoffe. Sie ist ein kraftvolles Lebewesen, vor allem wenn sie wild wächst. Die meisten essbaren Wildpflanzen wachsen vor Ihrer Haustür.
Wer die Vitalität und den Geschmack solcher Pflanzen für sich nutzen möchte, dem bietet sich eine grosse Auswahl an guten Bestimmungsbüchern an.
Auch der Besuch eines Kurses kann sehr wertvoll sein, um neue Pflanzen kennen zu lernen oder bekannte neu für sich zu entdecken. In der Natur nach essbaren Pflanzen zu suchen, setzt das nötige Pflanzenwissen und einen gewissen Respekt voraus.
Lassen Sie sich Zeit beim Kennenlernen neuer Pflanzen und sammeln sie keine seltene Pflanzen. Natürlich sind frische Pflanzen zu bevorzugen. Aber auch getrocknet bieten sie viel Geschmack und Vitalität, und das zu jeder Jahreszeit. Mancherorts mag es verpönt sein wilde Pflanzen zu essen, doch Tatsache ist, dass ihre Beliebtheit in den letzten Jahren stetig zugenommen hat.
Darauf weist z.B. die grosse Anzahl an Büchern zum Thema hin. Längst hat auch die (Gourmet-) Gastronomie die Wildpflanzen mit ihren vielfältigen Geschmacksnuancen für sich entdeckt.
Die Slow-Made Mischungen "Wildkräuter-Pur" sowie "-Extra" beinhalten je 11 Pflanzen. Hier erfahren Sie, welche ich gerade sammle, oder gesammelt habe.
Der Dost wird auch wilder Majoran genannt, wobei vom Erscheinungsbild her "wilder Oregano" richtiger wäre. Er ist sehr aromatisch, jedoch längst nicht so intensiv, wie sein enger Verwandter aus dem Mittelmeerraum.
Der Dost mag es voll sonnig und warm. Da er spät blüht, hat er nur an Standorten eine Chance, wo auch spät oder selten gemäht wird. Dort aber kann er sich stark vermehren.
Am aromatischsten wäre er wohl in voller Blüte, doch schneide ich ihn kurz davor, wenn seine Blätter noch schön sind. Der Dost macht den duftenden Abschluss beim Sammeln meiner 11 Wildkräuter.
Der Waldziest sieht der Brennessel optisch verblüffend ähnlich solange er noch nicht blüht.
Die violetten Lippenblüten unterscheiden in dann aber deutlich von der Brennessel. Auch wenn man die Blätter berührt, spürt man sofort den Unterschied. Nicht nur dass sie nicht brennen, sie sind auch fein wie Samt und federleicht. Zudem kann man einen feinen aber unverkennbaren Geruch nach Harz und Steinpilzen wahrnehmen.
Eine unauffällige aber erstaunliche Pflanze.
Und jetzt ist die Zeit da die "Königin" und Hauptzutat meiner Mischung zu sammeln. Brennessen kann man einerseits in grossen Mengen schnell sammeln (mit Handschuhen aber ohne sich zu bücken).
Andererseits ist sie gesundheitlich sehr wertvoll und hat einen guten Geschmack im Essen (im Tee ?). Sie lässt sich sehr schnell trocknen und einfach verarbeiten.
Ich verwende jeweils nur die Spitzen und lasse die Stängel stehen. (siehe auch ganz unten)
Es gibt verschiedene wilde Minzen.
Es war für mich von Anfang an klar, dass Minze, in nicht zu grosser Menge, in meine Wildkräutermischung gehört. Vom Geschmack und auch von den Mengen her, die man in der Natur findet, eignet sich eigentlich nur die Rossminze.
Sie ist ähnlich behaart wie die Apfelmize im Garten und liebt eher feuchten Boden. Sie kann flächendeckend vorkommen. Leider wird sie auch von allerhand Käfern geliebt, die die Blätter abknabbern und ihre winzigen Eier an die Blattunterseite heften.
Je nach Standort und Zeitpunkt ist der Befall sehr unterschiedlich, weshalb ich für das Sammeln gut beobachten und im richtigen Moment handeln muss.
Der Wiesensalbei mag es sonnig und warm. Das jetzige Wetter passt ihm also bestens und so hat er bereits angefangen zu blühen. Seine tief blauen Blüten sieht man von Weitem. Es lohnt sich mit der Ernte nicht länger zu warten, denn sonnst verwandeln gefrässige kleine Käfer die Blätter in Löchersiebe. Ich schneide immer nur die Blätter, den Stängel lasse ich stehen. Das ist aufwendig und braucht Zeit, doch Wiesensalbei muss unbedingt in die Mischung. Grün schmeckt er nicht besonders und auch nicht nach Salbei. Getrocknet ist er mild würzig.
Jetzt geht es Schlag auf Schlag und ich könnte gleich mehrere Wildkräuter gleichzeitig sammeln. Der Wiesenbärenklau (nicht zu verwechseln mit dem Riesenbärenklau) könnte zwar durchaus noch etwas warten und wachsen. Aber weil er eben in Wiesen oder in
Weiden wächst, muss ich ich schon jetzt ernten. Ansonsten laufe ich Gefahr, dass die Wiese plötzlich abgemäht wird und Schafen in der Weide sind. Abgesehne davon, dass ich sowieso nicht in einer Weide sammle, wo Tiere sind, würden Schafe (vermutlich auch Kühe) als allererstes alle Wiesenbärenklau Blätter fressen, denn das ist ihre Lieblingsspeise, was ich gut verstehen kann. Vergleichbar mit dem Giersch, sammle ich auch vom Wiesenbärenklau grössere Mengen, was dank den grossen Blättern auch gut möglich ist. (siehe auch ganz unten)
Und endlich ist der Giersch dran. Er wächst z.T. Flächen deckend im Wald aber auch in Gärten - meist zum Leidwesen der Gärtner. Die ersten grünen Blätter sind schon seit einiger Zeit zu sehen. Die einzelnen Pflanzen sind im Wuchs aber sehr unterschiedlich weit fortgeschritten, so dass sich das Sammeln erst jetzt lohnt. Vom Giersch lassen sich grössere Mengen sammeln, weshalb ich ihn auch einzeln verkaufe, er aber vor allem ein wichtiger Bestandteil in der Mischung "Wildkräuter-Pur" ist. (siehe auch ganz unten)
Es war noch Winter, da konnte man Taubnesselblätter entdecken, die sich flach an den Boden gelegt hatten und zum essen sicher noch kein Genuss waren. Und plötzlich steht sie aufrecht, blühend da. Gerne warte ich mit dem Sammeln etwas ab, bis sich die Hummeln an
den wunderbaren, violetten Blüten bedient haben. Es gibt verschiedene Taubnesseln. Ich sammle jetzt die "gefleckte Taubnessel", welche die bekannteste ist und meist an Wald- und Heckenrändern vor kommt. Etwas später werde ich dann die gelb blühende Goldnessel sammeln, die nur mitten im Wald vor kommt. Taubnesseln schmecken frisch und roh etwas eigenartig, gekocht oder getrocknet aber sehr gut. Die "rote Taubnessel", die oft auf Äckern vor kommt und gerne mit der "gefleckten Taubnessel" verwechselt wird, lasse ich wegen ihres zu strengen Geschmacks allerdings stehen.
Bevor bald gleich mehrere Pflanzen soweit sind, ist im Moment alleine die Gundelrebe knapp genügend gross, dass sich für mich das Sammeln lohnt. In einer Kuhweide habe zwar kleine, aber viele schöne Pflanzen gefunden und sie geerntet bevor die Kühe kommen oder das
schnell wachsende Gras sie überdeckt. Die Gundelrebe mit ihren blau-violetten Blütchen bleibt zwar auch, wenn sie ausgewachsen ist, eine kleine, zierliche Pflanze. Beim Zerreiben verströhmt sie aber einen solch intensiven Duft, dass sich das Sammelm auf jeden Fall lohnt. Es ist eine Pflanze, die
schon seit sehr langer Zeit verwendet wird - vor dem "Reinheitsgebot" z.B. auch zum Bier brauen.
Zur Zeit strömt ein dezenter Kumarin Geruch aus meinem Trocknungsapparat. Der beste Zeitpunk um das Wiesenlabkraut, das auf fast jeder Wiese wächst, zu sammeln, hat begonnen. Jetzt sind die kleinen Blätter gross und schön, der Stängel aber noch
kurz und weich. Wenn man später sammelt, ist erstens das Blatt-Stiel Verhältnis ungünstig und zweitens wächst dann das Gras so üppig, dass das Labkraut-Sammeln erschwert wird.
Da der Winter praktisch nicht stattgefunden hat, spross der Bärlauch extrem früh. Das Sammeln habe ich bereits Mitte März abgeschlossen, wo ich in anderen Jahren erst startete. Weil die Blätter aber viel Zeit brauchen bis sie trocken sind, habe ich noch eine Weile vorgetrocknete Blätter zum fertig trocken.